1. Die moderne Wabenhoniggewinnung

Erst als in den Vereinigten Staaten von Amerika Produktionsmethoden für die Gewinnung von Wabenhonig im jungfräulichen Wabenbau entwickelt wurden, schien der Verzehr und damit die Produktion wieder gesichert.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte in Amerika die Jahres-Wabenhonigproduktion von über zehn Millionen Kilogramm fast zehn Prozent der gesamten US-Honigerzeugung. Die Vereinigten Staaten von Amerika wurden zum größten Wabenhonigerzeuger- und Verbraucherland der Welt.

Inzwischen hat diese Entwicklung auch auf andere Länder übergegriffen, so daß heute die Wabenhonigerzeugung zu einer echten Alternative bzw. Ergänzung des Schleuderhonigangebotes geworden ist.

Durch den allgemeinen Fortschritt und durch die Technisierung in der Imkerei sowie durch die Rationalisierung der Produktionsverfahren und Arbeitsgänge geriet die arbeitsaufwendige Wabenhoniggewinnung abermals in Schwierigkeiten. Das Marktangebot wurde wieder rückläufig. Mittlere und größere Imkereien mußten die Wabenhonigproduktion wegen der hohen Arbeitskosten entweder einschränken oder zur Gänze auflassen. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Unter den gegebenen Voraussetzungen kann die Wabenhonigproduktion nur noch in Ländern mit billigen Arbeitskräften einigermaßen bestehen.

2. Die Wabenhonigproduktion in Österreich

Eine gezielte und marktorientierte Wabenhonigerzeugung hat es in Österreich bisher nicht gegeben. Wer allerdings einwandfreien, das heißt, qualitativ hochwertigen Wabenhonig im Jungfernbau anzubieten hatte, konnte diesen jederzeit zu Höchstpreisen verkaufen. Daß in Österreich auch ein Wabenhonigmarkt aufgebaut werden kann, zeigt beispielsweise die starke Nachfrage bzw. der reißende Absatz des neuseeländischen Angebotes, obwohl dafür Höchstpreise verlangt werden und obwohl die Qualität nach unseren Geschmacksbegriffen nicht als besonders hochwertig zu bezeichnen ist.

Daß es in Österreich keine nennenswerte Wabenhonigproduktion gibt, liegt also nicht daran, daß es dafür bisher keinen Absatz gegeben hat, sondern ganz einfach, weil das anspruchsvolle Produktionsverfahren keinen Eingang in unsere teilweise rückständigen Imkerbetriebe finden
konnte.

Diese hochspezialisierte Produktion erfordert nämlich eine gut durchdachte, systematische Führung der Bienenvölker.

3. Trachtvoraussetzungen für die Wabenhoniggewinnung

Trachtvoraussetzungen für die Wabenhonigproduktion sind überall vorhanden, wo die Bienenvölker aus bestimmten Trachten Tageszunahmen von wenigstens einem Kilogramm erreichen. Die Voraus- setzungen sind umso besser, je länger eine Tracht dauert.

4. Honigsorten für die Wabenhonigproduktion

Nach den Qualitätskriterien, die sich für den Wabenhonig in den führenden Erzeugerländern eingebürgert haben, werden helle Honige bevorzugt. Anscheinend, weil die weißen Wabenstücke attraktiver aussehen und sich infolgedessen angeblich besser verkaufen lassen. So gesehen wären bei uns die Akazien- und Almrauschhonige das richtige Ausgangsmaterial für die Wabenhonigproduktion.

Da die hellen Honigsorten in Österreich als zweitklassige Qualität angesehen werden, wäre ihre Veredlung über die Wabenhonigerzeugung eine empfehlenswerte und lohnende Möglichkeit, um dadurch ihren Absatz und den Preis zu verbessern.

Für alle Waldtrachtgebiete jedoch soll der dunkle Wabenhonig zur Standardqualität erhoben werden. Das wäre sehr wichtig, weil er in Zukunft in den Waldtrachtgebieten ganz sicher das Angebot be- herrschen wird.

5. Wabenhonig aus nicht schleuderbaren Waldhonigsorten

In den alpenländischen-Imkereibetrieben sind alle Maßnahmen, angefangen vom Aufbau der Völker im Frühjahr bis zur Wanderung in die Waldtracht, auf die Waldhonigernte abgestimmt. Die Gewinnung der

 

 

kostbaren und gutbezahlten Fichten-, Tannen- und Lärchenhonige steht deshalb im Vordergrund. Allerdings müssen die bisher teilweise vorhandenen Ernteschwierigkeiten überwunden werden.

Die Waldhonigsorten sind im Hinblick auf ihre Zusammensetzung, ihr Aussehen, vor allem aber, was ihre Konsistenz betrifft, sehr unterschiedlich. Allein darauf bezogen kann man schleuderbare und nichtschleuderbare oder feste Waldhonige unterscheiden. Die Konsistenz ist zwar kein ausgesprochenes Qualitätskriterium, dennoch ist sie wichtig, weil davon die Gewinnbarkeit oder die wirtschaftliche Nutzlosigkeit einer Waldtracht abhängen kann.

6. Melezitosehonig und seine wirtschaftliche Bedeutung

Ob ein Honig schleuderbar ist oder nicht, hängt davon ab, wie hoch die Menge der darin enthaltenen, rasch kristallisierenden Mehrfachzucker ist. In den Waldhonigen aus unseren Trachtgebieten ist in erster Linie der

 

Melezitosezucker die Ursache dafür, daß sich solche Honige nicht schleudern lassen. Waldhonige, die in den Waben fest werden, bezeichnet man deshalb als Melezitosehonig. Nichtschleuderbare Melezitosehonige, die eine wirtschaftliche Bedeutung haben, stammen nicht nur von der Lärche, sondern überwiegend von der Melezitose-Fichtentracht. Solche Trachten werden von den Imkern ebenso gemieden wie die reinen Lärchentrachten, die je nach Standort manchesmal sehr ergiebige Massenerträge liefern.

Weil es bisher praktisch keine Möglichkeit gegeben hat, den Melezitosehonig zu ernten, mußten sich die Imker notgedrungen mit kleinen Schleuderhonigernten begnügen. Der wirtschaftliche Ertrag war daher dementsprechend bescheiden.

Aus der Fichtentracht in tiefen und mittleren Höhenlagen kann nur von Anfang bis Ende Juni mit einiger Sicherheit Schleuderhonig geerntet werden. Die Juli- und fallweise auch die August-Trachten bringen fast immer nur Melezitosehonige.

Weil die Wald-bzw. die Fichtentracht die Grundlage für den wirtschaftlichen Fortbestand unserer Imkereibetriebe darstellt, müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um das gesamte Waldtrachtangebot zu nützen. Kein Imker, der seinen Betrieb auf Erwerb ausgerichtet hat, kann sich daher leisten, auf die Melezitosetracht zu verzichten.

7. Melezitoseernte mit der Kunststoffkassette

Nach allem, was bisher versucht wurde, um den Melezitosehonig in einer wirtschaftlich vertretbaren Art und Weise zu ernten, hat sich gezeigt, daß die Wabenhoniggewinnung die einzige Möglichkeit darstellt, mit diesem Problem fertig zu werden, vorausgesetzt, daß sie arbeitssparend und kostengünstig durchgeführt werden kann.

Die bisher bekannten Methoden für die Gewinnung von Wabenhonig sind nicht besonders geeignet, um die ergiebigen Melezitosetrachten von der Fichte und von der Lärche zu verwerten. Eine moderne und wirtschaftlich interessante Wabenhonigproduktion ist hingegen mit der eigens hiefür entwickelten und in den wichtigsten Ländern patentrechtlich geschützten Wabenhonigkassette aus Kunststoff möglich. Mit ihr können selbst die ergiebigsten Massentrachten in sparsamster Weise geerntet werden.

Die Kunststoffwabenhonigkassette ist eine österreichische Erfindung. Sie wurde auf Grund folgender Überlegungen entwickelt:

1. die Einkommenssituation der alpenländischen Imkereibetriebe ist schlecht. Sie sind gegenüber der internationalen Konkurrenz im Nachteil,

2. die schlechte wirtschaftliche Lage könnte durch die Verwertung der Melezitosetrachten verbessert werden,

3. die Wabenhoniggewinnung ist, wenn sie kostengünstig durchgeführt werden kann, die einzige brauchbare Möglichkeit, um Melezitosehonige in einer marktgängigen Form zu erzeugen.

Mit der Kunststoffwabenhonigkassette konnte ein Erntesystem entwickelt werden, das diesen Anforderungen voll und ganz entspricht.

Wenn man bedenkt, daß die Bienen den Nektar bzw. den Honigtau in die Kassetten als handelsfertige Packungen eintragen, die mit wenigen Handgriffen eingesetzt, herausgenommen und versandfertig gemacht werden können, so wird klar, daß damit eine hervorragende Lösung gefunden wurde.

 

 

 

8. Die Kunststoffkassette als Wabenmittelwand

Kunststoffmittelwände werden von den Bienen einwandfrei ausgebaut, wenn diese keine andere Wahl haben. Die Mittelwände müssen allerdings mit reinem Bienenwachs gut beschichtet sein. Das gleiche gilt auch für die Kunststoffwabenhonigkassette.

Großen Einfluß auf die Annahme der Kunststoffskassette durch die Baubienen hat auch die Art des Kunststoffes und seine elektrostatischen Eigenschaften. Bevor die Kunststoffkassette für den Einsatz in der Praxis freigegeben werden konnte, mußten einige materialtechnische und bienenbiologische Probleme gelöst werden.

Schwierigkeiten hinsichtlich der Annahme bereitet das kleine Volumen der Kassette. Es bietet den Baubienen nur wenig Raum zum Aufketten. Trotz allem, die wichtigsten Probleme konnten zufrieden-stellend gelöst werden. Die Kunststoffkassette ist heute für den Großeinsatz in der Praxis bestens geeignet.

Der besondere Wert, den sie für die Wabenhonigproduktion hat, liegt darin, daß keine Wachsmittelwände gebraucht werden. Diese Funktion wird vom Kassettenboden erfüllt.

 

 

Dieses Merkmal beeinflußt wesentlich die Qualität des Wabenhonigs in der Kassette. Er enthält im Gegensatz zu anderen Wabenhonigen keine Wachsmittelwand, die wie ein künstlicher Fremdkörper wirkt und mitverzehrt werden muß. Selbst wenn für diesen Zweck sehr dünne Spezialmittelwände verwendet werden, stört es viele Honigverbraucher so sehr, daß sie den sonst kaum spürbaren Wabenbau nicht mitverzehren können.

Da angeblich ein Teil der gesundheitsfördernden Wirkung des Wabenhonigs auf das Wachs zurückzuführen ist, sind Gewinnungsverfahren mit Einsatz von künstlichen Mittelwänden schon allein aus diesem Grunde im Nachteil.

Der Wabenhonig aus der Kunststoffkassette ist ein unverfälschtes und reines Naturprodukt, das hygienisch absolut einwandfrei gewonnen wird. Sein Wert ist daher höher als der aller anderen Wabenhonigsorten.

 

 

9. Wann wird die Wabenhonigkassette eingesetzt?

Grundsätzlich kann die Kunststoffkassette in jeder ergiebigen Blüten- und Tauhonigtracht für die Wabenhoniggewinnung eingesetzt werden.

Der Waldtrachtimker soll jedoch die Frühjahrsblütentracht, ausgenommen die größeren Raps- und Akazientrachten, als Entwicklungstracht für den Aufbau der Völker nützen. Gibt es fallweise größere Überschüsse, sind diese am besten auszuschleudern. Die Gewinnung von Wabenhonig läßt sich mit dem Frühjahrsaufbau der Bienenvölker und mit einer systematisch mitlaufenden oder integrierten jährlichen Königinnenerneuerung schlecht verbinden.

Die Bienenvölker müssen im Frühjahr rasch wachsen und den Höhepunkt ihrer Entwicklung noch vor Beginn der ersten Waldtracht erreichen. Alle Maßnahmen, die eine solche Entwicklung behindern, sind aus der Frühjahrspflege der Völker auszuschalten. Das gilt beispielsweise für das unumgängliche Einengen des Bienenvolkes.

Hat die Waldtracht begonnen, kann die Kassette jederzeit eingesetzt werden. Zu dieser Zeit haben die Bienenvölker den Höhepunkt ihrer Entwicklung überschritten. Die Jungköniginnen sind in voller Brut- tätigkeit und können sich im Brutraum behaupten; nun kann auch die Einengung bedenkenlos durchgeführt werden.
Der Haupteinsatz für die Wabenhonigkassette beginnt zweifellos mit der Melezitosetracht.

10. Voraussetzungen für die Wabenhonigproduktion in der Kunststoffkassette

a) ergiebige Tracht
b) starke und auf einen Brutraum eingeengte Bienenvölker
c) Verwendung von Halbzargen und
d) Verwendung leistungsfähiger Jungköniginnen


zu a)
Im Hinblick auf den Trachtumfang kommt es darauf an, daß die Tracht im höchstmöglichen Maße ergiebig ist. Tageszunahmen von wenigstens einem Kilogramm sind notwendig, weil sonst der Baubetrieb zu schwach ist.

zu b)
Im Brutraum darf es keinen freien Platz für die Ablagerung von Honigtau oder Nektar geben. Dieser "Raummangel" sowie der Bautrieb müssen durch das Einengen des Bienenvolkes künstlich hervorgerufen bzw. unterstützt werden. Der Erfolg in der Wabenhonigproduktion hängt
weitgehend davon ab, ob diese Möglichkeit rechtzeitig und voll ausgenützt wird. Mittelwände werden von Bienenvölkern, die auf diese Weise "unter Druck" gesetzt sind, gleichgültig ob aus Wachs oder aus Kunststoff oder ob in Form von Kunststoffkassetten, in kurzer Zeit ausgebaut und mit Honig vollgetragen.

Die "Kunst" der Wabenhonigproduktion besteht also darin, das Bienenvolk mit gut durchdachten Maßnahmen so zu beeinflussen und zu lenken, wie es das Produktionsziel verlangt. Dabei ist es wichtig, daß sich alles was in dieser Richtung getan wird, in das natürliche Triebverhalten des Bienenvolkes einfügt, das heißt, daß es von den Bienen akzeptiert wird und keinerlei unerwünschte Reaktionen auslöst.

 

 

zu c)
Der Einsatz von halbhohen Zargen ist bei der Wabenhonigproduktion eine unbedingt notwendige Voraussetzung. Sie werden in einer genau festgelegten Zeit- und Reihenfolge auf den Brutraum gesetzt. In dieser Position werden die Kassetten rasch ausgebaut. Das liegt daran, weil sie über der Brut die Stelle des Futterkranzes einnehmen. Nachdem sie aber kein Futter enthalten, wird das Bienenvolk instinktiv angeregt, sofort die fehlenden Vorräte anzulegen. Es entwickelt in dieser Situation einen ungeheuren Fleiß und Sammeleifer. Ist doch die Vorratshaltung eine genetisch programmierte Instinkthandlung, die an vorderster Stelle steht und das Triebverhalten des Bienenvolkes beherrscht. Die eingesetzten Kassetten befinden sich in dieser Position in der wirksamsten Reizzone, die es im Bienenvolk gibt. Um diese Wirkung, die für den Erfolg besonders wichtig ist, noch zu verstärken, darf zwischen dem Brutnest und den Kassetten kein Königinnenabsperrgitter eingelegt werden.

zu d)
Mit zu den ganz wichtigen Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz der Wabenhonigkassette gehört eine leistungsfähige Jungkönigin. Den größten Erfolg erreicht man mit nulljährigen Königinnen. Solche Völker vertragen die Einengung am besten, ohne daß sie dadurch in Schwarmstimmung geraten. Nulljährige Königinnen entfalten eine starke Brutleistung. Sie sind daher am ehesten imstande, den eingeengten Brutraum zu beherrschen. Das trägt ebenfalls dazu bei, daß der Nektar oder der Honigtau in die Kassetten über dem Brutbereich eingelagert wird. Trotz Einengung und Tracht wird durch die vitale Bruttätigkeit der Jungkönigin die Stärke des Volkes selbst bei längeren Trachten sichergestellt. Das Bienenvolk spürt auch instinktiv die Kraft der jungen Königin und "weiß" seinen Fortbestand in Sicherheit. In solchen Bienenvölkern gibt es keine Spannungen, die die Leistung beeinträchtigen könnten und das ist ausschlaggebend.

11. Der praktische Einsatz der Kunststoffkassette

Die Kunststoffkassette kann überall und in allen Beutesystemen zur Wabenhoniggewinnung eingesetzt werden. Am besten eignet sich dafür allerdings das Magazinbeutesystem.

Da derzeit nur Kassetten in der Größe 123 x 106 mm (Außenmaß) erzeugt und angeboten werden, ist man gezwungen, mit dieser Kassettendimension auszukommen. Es hat sich aber gezeigt, daß es trotz der vielen Rähmchenmaße und Beutesysteme möglich ist, mit entsprechend konstruierten Halbzargen diese Kassetten in allen Beutesystemen zu verwenden.

Die Kassetten werden in Rähmchen oder ohne Rähmchen eingesetzt. Werden Rähmchen verwendet, so können die Kassetten innerhalb der Zarge durch Umstellen der Rähmchen von außen nach innen und umgekehrt schnell ausgetauscht werden. Die Kassetten werden dadurch gleichmäßiger ausgebaut und verdeckelt.

In Magazinbeuten mit Normal-, Zander-, Lüftenegger- und Kuntschmaß werden die Kassetten ohne Rähmchen eingesetzt. Die Halbzargen

 

 

 

 

müssen für diesen Zweck entsprechend konstruiert sein. Auf der Unterseite sind sieben 32 mm breite und 10 mm starke Trägerleisten so in die vordere und in die rückwärtige Zargenwand eingesetzt, daß die Zargenunterkanten 2 mm über die Leisten vorstehen.

In Halbzargen für Beuten im Zander- oder Lüfteneggermaß haben auf jeder Trägerleiste vier Kassetten in normaler Stellung Platz. In der Halbzarge für Normal- oder Einheitsmaßbeuten können pro Trägerleiste nur drei Kassetten, und zwar in liegender Stellung, eingesetzt werden. Die Zellprägung am Kassettenboden ist in diesem Fall in horizontaler Stellung. Das ist zwar unnatürlich, aber es hat sich gezeigt, daß die Bienen die Kassetten auch so ausbauen. Allerdings dürfen sie keine andere Möglichkeit haben und es muß gute Tracht herrschen. Um das Bienenvolk auf diese Weise nicht zu überfordern, ist es aber besser, wenn die Kassetten in vertikaler, das heißt natürlicher Zellstellung auf die Trägerleisten gesetzt werden. Allerdings bleibt dann auf der Trägerleiste ein ca. 7 cm breiter Platz frei. Damit dort kein Wildbau errichtet wird, der die Bienen vorübergehend von den Kassetten ablenken könnte, ist der freie Platz zwischen jeder Kassette etwa mit einer 20 mm starken, 32 mm

 

breiten und ca. 110 mm langen Leiste auszufüllen. Der darüber hinaus noch freigebliebene Raum dient den Bienen als Passage.

Beim Einsatz der Wabenhonigkassette in Hinterbehandlungsbeuten sind die Halbzargen oder Einsätze den Innenmaßen der jeweiligen Honigräume anzupassen. Ihre Konstruktion ist im übrigen die gleiche wie bei den Halbzargen für die Magazinbeuten. Diese Einsätze werden wie Laden in Honigräume eingeschoben. Abstandsknöpfe auf den Seiten und auf der Vorderwand nicht vergessen! Es ist darauf zu achten, daß das Absperrgitter vorher entfernt wird, damit die Kassetten unmittelbar über dem Brutbereich postiert sind.

Weil im Honigraum einer Zweietagen-Hinterbehandlungsbeute nur eine Kassettenzarge auf einmal eingesetzt werden kann, muß der Baufortschritt laufend kontrolliert werden. Während der Tracht ist die Zarge wenigstens einmal zu verdrehen. Bei dieser Gelegenheit sind die Randkassetten mit jenen aus der Zargenmitte auszutauschen.

Es ist streng darauf zu achten, daß der Zeitpunkt, wo die Kassetten nahezu voll geworden sind, nicht übersehen wird. Bei guter Tracht würde dadurch das Brutnest stark unter Druck geraten.

Zwischen den Kassette n reihe n werden in jedem Fall Kunststoffschiede eingehängt. Ihre Aufgabe besteht darin, die Bienen zu hindern, Querbau zwischen den Kassette n reihe n zu errichten oder einzelne Kassetten so zu überbauen, daß sie nicht verschlossen werden können.

12. Die optimale Betriebsweise für die Gewinnung von
Wabenhonig in Kunststoffkassetten

Ein Imkereibetrieb, der in sein Produktionsprogramm auch die Gewinnung von Wabenhonig in Kunststoffkassetten einbeziehen will, muß alle imkerlichen Maßnahmen, beginnend vom Aufbau der Völker im Frühjahr, über die Königinnenerneuerung bis hin zur Wanderung in die Waldtracht darauf abstimmen.

a) Die Spätsommerpflege und die Einwinterung der Bienenvölker
Das Bienenjahr beginnt unmittelbar nach der Ernte mit der Spätsommerpflege der Völker. Ziel dieser überaus wichtigen Maßnahme ist, daß die Völker im Spätsommer eine starke Bruttätigkeit entfalten und dadurch jene Stärke erreichen, die notwendig ist, um sie in zwei Bruträumen oder in zwei Zargen einwintern zu können. Eine besonders wertvolle Voraussetzung ist die nulljährige Königin. Ihre hohe Brutleistung, die bis in den Herbst hinein anhält, ist für sie typisch und wird von den älteren Königinnen nur selten erreicht.

Die Pflegemaßnahmen beginnen mit dem Abräumen der Kassettenzargen. Alles, was während der Tracht nicht vollgeworden ist und nicht verkauft werden kann, kommt auf Lager und wird im nächsten Jahr wieder eingesetzt. Die teilweise ausgebauten und mit Honig gefüllten aber nicht verdeckelten Kassetten können ohne weiteres bis zum Beginn der neuen Tracht eingelagert werden. Voraussetzung ist nur ein trockener und kühler Raum.

Nachdem die Halbzargen entfernt wurden, wird das Brutnest genau untersucht. Jene Völker, die bei dieser Kontrolle weniger als fünf Rähmchen Brut haben, sind für die Einwinterung untauglich und werden am besten auf die einwinterungsfähigen Jungvölker aufgeteilt.

Alles was wintertauglich ist, erhält die zweite Brutraumzarge aufgesetzt. Sie soll mit honigfeuchten, jungen Waben, am besten aus der Frühjahrsblütentrachtschleuderung, bestückt sein. Um dem Bienenvolk eine ausreichende Eiweißversorgung während seiner nächsten Frühbrutperiode sicherzustellen, ist die zweite Brutraumzarge mit zwei bis drei schönen Pollenwaben auszustatten. Eine gezielte Pollenwabengewinnung trägt deshalb wesentlich zum Erfolg bei. Unmittelbar nachdem die Bienenvölker ihren Winterstandort bezogen haben und auf diese Weise in Spätsommerpflege genommen wurden, erhält jedes Volk einen Futterstoß von wenigstens fünf Liter Zuckerlösung im Verhältnis 1:1. Ist diese Futtergabe verarbeitet, erhält es vier bis fünf Kilogramm Honigzuckerteig, bestehend aus einem Teil Blütenhonig und fünf Teilen Puder- oder Staubzucker.

Die Herbstauffütterung oder Winterfutterversorgung erfolgt in der allgemein üblichen Form. Bienenvölker, die nach einer solchen Spätsommerpflege auf zwei Magazinzargen auf die Einwinterung vorbereitet wurden, sind stark und können bei der Herbstauffütterung ohne Schwierigkeiten große Mengen Futter aufnehmen und verarbeiten. Je nach Standort und Beutebeschaffenheit sind je Volk ca. 17 bis 20 kg Zucker als Winterfutterreserve zu veranschlagen. Diese Menge ist wesentlich größer als der eigentliche Winterfutterbedarf eines solchen Volkes. Eine so umfangreiche Bevorratung ist deshalb notwendig, weil die Reserven auch bei einer stark forcierten Frühjahrsentwicklung mindestens bis zur Blütentracht reichen müssen.

b) Die Pflege der Bienenvölker im Frühjahr
Die Durchführung der nachfolgend beschriebenen Maßnahmen ist an einen relativ genauen Zeitplan gebunden. Die angegebenen Termine entsprechen der Entwicklung und den Trachtverhältnissen der Gegend, in welcher der Verfasser dieser Broschüre und Erfinder der Kassette seine Imkerei betreibt. Diese Termine können regional sehr verschieden sein und müssen daher dem jeweiligen Einzelfall entsprechend angepasst werden.

15. März
Nach der Reinigung der Bodenbretter, etwa in der ersten Märzhälfte beginnt der Frühjahrsaufbau der Trachtvölker. Aus den geschrumpften Wintervölkern müssen wiederum starke und leistungsfähige Trachtvölker entstehen. Reichliche Futter- und Pollenreserven sowie eine gute Frühjahrstracht sind jene Mittel, aus welchen im Frühjahrein Bienenvolk aufgebaut wird. Die bereits "vorverdauten" Wintervorräte, die von den Sommer- bzw. Herbstbienen verarbeitet wurden, müssen jetzt durch systematisches Aufritzen der Vorratswaben freigelegt und zum Aufbau der Trachtvölker eingesetzt werden. Es gibt keine andere Methode in der Frühjahrspflege, die auch nur annähernd den gleichen
Erfolg in der Entwicklung der Völker bringt. Mehr darüber in "Unser Imkern mit dem Magazin" von Pfefferle.

Das Aufritzen der Futterwaben beginnt mit geringfügigen Unterschieden je nach Wetterlage ab Mitte März, wenn bereits die erste Pollentracht eingesetzt hat. Bis Ende des Monats können auf diese

Weise drei bis vier Futterwaben im Bienenvolk umgesetzt werden. Ein starker Bruteinschlag ist die natürliche Reaktion auf diese Maßnahme. Diese Arbeit wird so lange fortgesetzt, bis die zweite Zarge durchgebrütet ist. Danach soll ein Zargentausch vorgenommen werden. Das Brutnest kann sich dadurch gleichmäßiger über beide Zargen ausdehnen und erreicht auch einen größeren Umfang.

Obwohl das Wetter in der Entwicklung der Bienenvölker eine entscheidende Rolle spielt, muß der Imker versuchen, den Frühjahrsaufbau weitgehend wetterunabhängig durchzuführen.

Den Engpaß in der Entwicklung, auch bei ausreichend mit Vorräten versorgten Bienenvölkern, bildet im Frühjahr das Wasser. Dieses wichtige "Lebenselement" kann vom Bienenvolk nicht gespeichert bzw. auf Vorrat gelegt werden. Lediglich die Ausnützung des Kondenswassers mit Hilfe einer Kunststofffolie, die auf die zweite Zarge gelegt wird, kann das Wasserversorgungsproblem besonders in Schlechtwetterperioden wirksam verbessern. Diese Folie darf erst nach dem ersten Wabenaufritzen aufgelegt werden. Von da an aber bleibt sie das ganze Jahr über im Gebrauch.

Es muß mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß Wasserversorgungsprobleme bei den Bienenvölkern im Frühjahr nur dann auftreten, wenn durch intensive Pflegemaßnahmen ein vorzeitiger und starker Bruteinschlag hervorgerufen bzw. planmäßig angestrebt wird. Um durch den erhöhten Wasserbedarf besonders bei schlechtem Flugwetter größere Bienenverluste zu vermeiden, muß der Imker die Wasserversorgung in das Frühjahrspflegeprogramm einbeziehen. Die Verwendung der Kunststofffolie ist ein wichtiger Schritt in dieser Richtung. Die beste Lösung jedoch ist eine Stocktränke, wie sie von Eiblmeier empfohlen wird.

 

Bei der Festlegung und Durchführung der Frühjahrspflegemaßnahmen muß davon ausgegangen werden, daß eine verspätete Entwicklung in der Natur oft schon durch eine kurze und optimale Wetterperiode wieder ausgeglichen wird. Das kann zur Folge haben, daß die Tracht bereits zu einem Zeitpunkt einsetzt, wo die Bienenvölker noch nicht einsatzfähig sind. Ihr wetterbedingter Entwicklungsrückstand kann ohne Hilfe des Imkers nicht in der gleichen Zeit ausgeglichen und aufgeholt werden, wie das in der Natur und bei den Trachtpflanzen der Fall ist. Der Imker hat deshalb umso mehr darauf zu achten, daß die Entwicklung der Völker, sobald sie im Frühjahr eingesetzt hat, durch nichts mehr aufgehalten wird, auch nicht durch schlechtes Wetter. Sind genügend Vorräte vorhanden und die Wasserversorgung geregelt, dann wachsen die Bienenvölker auch bei schlechtem Wetter zügig weiter.

20. April
Auf begünstigten Standorten und bei entsprechender Versorgung müssen die Bienenvölker um den 20. April beide Bruträume gut besetzen und Spielnäpfchen aufblasen. Ist diese Entwicklung erreicht, sind die Völker reif zum Schröpfen. Eine Maßnahme mit überragender Bedeutung für die gesamte Frühjahrspflege. Jedem Volk werden vier verdeckelte und eine unverdeckelte Brutwabe entnommen. Mit diesen Brutwaben und zwei weiteren Futterwaben wird ein Säugling gebildet und als dritte Zarge über das Absperrgitter auf das Muttervolk gesetzt. Anstelle der entnommenen Brutwaben erhält das Muttervolk bei Schlechtwetter ausgebaute, womöglich honigfeuchte Waben, sonst aber Mittelwände. Sind die Futtervorräte weitgehend aufgebraucht, müssen unbedingt Futterwaben oder Honigzuckerteig in Futtertaschen gereicht werden. Das im Aufbau begriffene Volk muß immer aus vollen Vorräten schöpfen können.

Durch das rechtzeitige, vor allem aber ausgiebige Schröpfen ist der Imker in der Lage, den Schwarmtrieb bei seinen Völkern im Keime zu ersticken und gleichzeitig die Brutleistung der Königin zu erhalten oder sogar noch zu steigern.

22. April
Ein bis zwei Tage, nachdem der Säugling gebildet wurde, wird das Absperrgitter entfernt und durch einen Gitterboden mit Flugloch ersetzt. Der Säugling ist zwar vom Muttervolk getrennt, der gemeinsame Nestgeruch aber bleibt durch den Gitterboden erhalten.

 


25. April
Der Säugling bekommt drei belarvte und eventuell 12 bis 24 Stunden lang angebrütete Weiselzellen zugesetzt. Um den jungen Königinnenlarven die besten Entwicklungsbedingungen zu geben, wurde bei der Sauglingsbildung ein Rähmchen mit offener Brut als Lockwabe für die Ammenbienen mitverwendet. Die frischbelarvten Weiselbecher oder die kurz angebrüteten Weiselzellen werden auf diese Lockwabe gesetzt. Vorher sind alle wilden Nachschaffungszellen zu vernichten.

 


27. April
Dem Muttervolk werden abermals zwei verdeckelte Brutwaben entnommen und dem Säugling als Verstärkung zugesetzt.


1. Mai
Falls notwendig, sind die stärksten Muttervölker noch einmal durch die Entnahme von ein bis zwei verdeckelten Brutwaben zu schröpfen.

Im Sauglingsvolk schlüpft nun die Brut in ununterbrochener Folge. Es wird von Tag zu Tag stärker, so daß sich bald akute Raumnot bemerkbar macht. Nachdem die Löwenzahn- und Obstblüte bevorsteht, erhält der Säugling einen halbhohen Honigraum mit Dickwaben aufgesetzt. Wenn nötig, kann dem Säugling statt dem Dickwabenaufsatz eine Kassettenzarge gegeben werden.

 


5. Mai
Die aufgezogenen Weiselzellen im Sauglingsvolk sind 14 Tage alt. In der Regel ist die Hälfte von ihnen schön entwickelt und verwertbar. Während eine Weiselzelle bzw. eine Jungkönigin im Sauglingsvolk verbleibt, um nach dem Schlupf und der Begattung die Rolle der neuen Stockmutter zu übernehmen, werden die anderen Weiselzellen in Kirchhainer Begattungskästchen verschult. Sind sie einmal in Brut

und versprechen eine gute Leistung, kann ein Teil von ihnen als Ersatzköniginnen in jene Sauglingsvölker eingeweiselt werden, die ihre Jungköniginnen beim Begattungsflug verloren haben. Mit den anderen begatteten Königinnen werden die erschöpften Altköniginnen in den Ablegern im Laufe des Monats Juni ausgetauscht. Diese Ableger sind der Ersatz für alle jene Trachtvölker, die während der Waldtracht versagt haben und deshalb aufgelöst wurden.

 


20. Mai
Um diese Zeit können nach guter Blütentracht die halbhohen Honigräume auf den Säuglingen schon reichlich mit Honig gefüllt sein, Sie sind bis 20. Mai abzuernten. Im gleichen Arbeitsgang bekommt jedes Muttervolk zwischen die erste und zweite Brutraumzarge ein Absperrgitter eingelegt. Auf diese Weise kann nach zwei bis drei Tagen schnell und sicher festgestellt werden, wo sich die Königin befindet.

 


26. Mai
Bei gutem Flugwetter wird die königinnenlose Brutraumzarge abgehoben und auf das Sauglingsvolk gesetzt. Zwischen beide Zargen wird ein Absperrgitter gelegt. Dieser Zargentausch ist durch den gleichen Nestgeruch ohne Gefahr durchführbar.

In der Zwischenzeit ist die Jungkönigin im Sauglingsvolk bereits in Eilage getreten. Auch die Altkönigin bestiftet ohne Unterlaß bis an die Grenze ihres Leistungsvermögens. Sollte eines der Muttervölker trotz Schröpfmaßnahmen in Schwarmstimmung geraten, was allerdings selten vorkommen wird, ist das Versetzen der königinnenlosen Brutraumzarge auf das Sauglingsvolk entsprechend früher durchzuführen.

Das zwischen die beiden' Zargen des Sauglingsvolkes eingelegte Absperrgitter soll verhindern, daß die aufgesetzte Zarge bestiftet und ins Brutnest einbezogen wird. Die Jungkönigin und spätere Stockmutter bleibt dadurch mit ihrem Brutnest auf die untere Zarge gesperrt. Auf zehn Langstroth- oder Zanderrähmchen hat sie genug Platz, um ihre Anfangsbrutleistung unter Beweis zu stellen und das Volk auf einer durchschnittlichen Stärke zu halten.

Es muß hervorgehoben werden, daß auf diese Weise die Einengung des Brutnestes, wie sie vor dem Einsatz der Kunststoffkassette durchgeführt werden muß, schon durch das eingelegte Absperrgitter vorweggenommen wurde.

Ist die Leistung der Jungkönigin schlecht, wird das Volk noch während der Tracht aufgelöst, Die Brut wird auf andere Völker aufgeteilt. Die Bienen werden, nachdem sie sich mit Honig vollsaugen konnten, vor dem Stand abgekehrt.

 


1. bis 5. Juni
Anfang Juni ist die nach diesem Zeitplan ablaufende Entwicklung des Trachtvolkes abgeschlossen, Der Aufbau endet mit der Entweiselung und Vereinigung des Altvolkes mit dem Sauglingsvolk. Die Vereinigung kann, nachdem sie die letzte Aufbaumaßnahme darstellt, je nach Beginn
der Haupttracht, zeitlich auch etwas verschoben werden.

Das Altvolk wird durch die Entnahme der Königin und zwei Rähmchen mit verdeckelter Brut, eine Art Königinnenableger, entweiselt, Daraus werden später die Ersatzjungvölker aufgebaut, Alles was danach vom Altvolk noch übrig bleibt, wird auf das Sauglingsvolk aufgesetzt. Mit dieser letzten Maßnahme endet die Existenz des Altvolkes, Das neue, aus dem Säugling entwickelte Volk mit der nulljährigen Königin ist somit für den Einsatz in der Haupttracht bis etwa 1000 Meter Seehöhe bereit. Es hat drei Brutraumzargen, sehr viel Brut und eine gewaltige Schar von Bienen.

 


Während die Tracht einsetzt, läuft die Brut in den Zargen über dem Absperrgitter aus und die Waben füllen sich mit Honig, Die mehr oder weniger mit Honig vollgetragenen Normalzargen sind nach der Haupttrachtin Lagen unter 1000 Meter vor der Wanderung auf die Waldtracht-plätze über 1000 Meter Seehöhe abzuernten und durch Halbzargen, die entweder mit Dickwaben oder mit Wabenhonigkassetten bestückt sind, zu ersetzen.

Ab Ende Juni, Anfang Juli erhalten die Völker nur noch Zargen mit Wabenhonigkassetten, weil es in dieser Zeit nur noch Melezitosetracht gibt. Sie kann mit der Kraft, die noch in den Völkern steckt und mit Hilfe der Kunststoffkassetten voll ausgenützt werden.

Nachdem durch eine Betriebsweise, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurde, im Aufbau des Trachtvolkes die Umstellung auf eine nulljährige Königin vorgesehen ist und diese von Beginn an auf eine Brutraumzarge gesperrt ist, erübrigt sich die sonst unumgängliche Einengung des Bienenvolkes von selbst.

 

 

Von den Vorbereitungen des Trachtvolkes vor dem Einsatz der Kassetten bleibt nur noch das Abräumen der Normalzargen, die bis dahin noch auf dem Brutraum waren, übrig. Sehr starke Völker bekommen gleichzeitig zwei Zargen aufgesetzt. Sobald die untere Zarge zweidrittelvoll! geworden ist, muß getauscht werden. Dabei sind die Zargen zu verdrehen.

Normalstarke Völker bekommen nur eine Zarge auf einmal aufgesetzt, erst wenn diese vollgeworden ist, wird sie so, wie bereits beschrieben, mit einer leeren ausgetauscht.

Beim Aufsetzen der leeren Zargen ist darauf zu achten, daß sie immer zuerst oben aufgesetzt werden. Die richtige Reihenfolge zeigen die nachstehenden Skizzen.

 

 

Die erste Zarge kommt direkt auf den Brutbereich. Nachdem diese zur Hälfte bzw. zwei Drittel vollgetragen wurde, wird die zweite Zarge mit Kassetten aufgesetzt. Das Aufsetzen der neuen Zarge erfolgt immer zuerst obenauf. Die Bienen ziehen es vor, die Kassetten in den hinteren zwei Dritteln der Zarge beim Ausbauen zu bevorzugen. Die Honigablagerung im vorderen Teil der Zarge erfolgt also langsamer. Aus diesem Grunde wird empfohlen, beim Aufsetzen Jeder neuen Zarge zuerst die schon am Bienenstock befindlichen Zargen so zu verdrehen daß die leeren vorderen Kassetten nach hinten zu liegen kommen. Dadurch erreicht man, daß sie gleichmäßig gefüllt werden. Wird die dritte Zarge aufgesetzt, so ist die bisher oben liegende zweite Zarge auf den Brutbereich zu postieren. Dann folgt die erste und als Abschluß die leere dritte Zarge. Die erste Zarge muß fast voll und die zweite mindestens halbvoll sein, bevor die dritte eingesetzt wird.

Erfolgt die Behandlung und der Aufbau der Bienenvölker sowie der Einsatz der Kassetten nach diesem Modell, sind alle Voraussetzungen für den größtmöglichen Ernteerfolg gegeben, Allerdings bewährt sich diese Betriebsweise nur, wenn das Bienenvolk während seiner Aufbauzeit aus vollen Futterreserven schöpfen kann und wenn die Königin Jedes Jahr erneuert wird.

13. Die Kunststoffkassette als Verpackung für Wabenhonig

Im Magazinbeutebetrieb und während der Tracht sollen die Kassetten immer nur dann abgeerntet werden, wenn sie voll und verdeckelt sind. Weil die Bienen durch das laufende Abnehmen der vollen und Nachsetzen der leeren Kassettenzargen immer genug Platz für das Einbringen der Tracht haben, ist für den Sammeleifer ebenso gesorgt wie für gutes Reifen des Honigs. Außerdem ist auch genug Zeit zum Verdeckeln vorhanden.

Schwieriger dagegen ist es bei der Verwendung der Kassetten in Beute mit Hinterbehandlung. Dort kommt es darauf an, daß durch sorgfältige Beobachtung der Zeitpunkt des Kassetten- bzw. Zargen-tausches nicht übersehen wird. Im Magazinbeutebetrieb werden den Völkern nur in Ausnahmefällen mehr als vier Kassettenzargen gleichzeitig aufgesetzt. Gewöhnlich kommt man schon mit drei Zargen aus.

Die vollen Zargen werden entweder mit Hilfe einer Bienenflucht oder mit einem Bienenbläser bienenfrei gemacht und abgenommen. Die Kassetten werden aus den Rähmchen bzw, den Zargen herausgenommen, zusammengeklappt, von Propolis gesäubert, mit einem Tesa-Band verschlossen und nach Möglichkeit mit einer Werbetextschleife versehen.

Danach sollen die Kassetten einzeln gewogen werden. Das jeweilige Gewicht ist gemeinsam mit dem Erntejahr und der Adresse des Erzeugerbetriebes an der auf der Schleife vorgesehenen Stelle zu vermerken.
Für den Transport werden die Kassetten am besten in einem Überkarton verpackt, In der sehr stabilen und absolut dichtverschlossenen Kassette kann der Wabenhonig nicht nur den schwierigsten Transport schadlos überstehen, sondern er kann in diesen Kassetten auch fast beliebig lang gelagert werden.

Die vollen und verschlossenen Kassetten lassen sich mit Hilfe der Verschlußzapfen, die an den Ecken am Boden angebracht sind, zu kleinen Türmen zusammenfügen, Sie können dadurch am Ladentisch sehr werbewirksam placiert werden.

Auch für den Verkauf im Wege der Selbstbedienung, wo es sehr darauf ankommt, daß die Verpackung haltbar ist, hat sich die Kassette bewährt, außerdem sieht sie in dieser Form in den Regalen sehr gut aus.

Das öffnen der Kassette geht so vor sich, daß zuerst das Klebeband entfernt wird, danach wird am besten eine dünne Messerspitze zwischen die Kassetten hälften geschoben und hintereinander auf allen vier Ecken leicht verdreht.

Es ist ein besonderer Genuß, den Wabenhonig mit dem Löffel aus der Kassette zu essen. Der feine Wabenbau zergeht im Mund, er ist kaum zu spüren. Eine Mittelwand, die wie ein Fremdkörper wirkt, gibt es nicht.

Es ist auch interessant, daß sowohl der Wabenbau als auch die Verdeckelung umso feiner sind, je ergiebiger die Tracht war. Man glaubt es kaum, wie rasch sich die Konsumenten auf den Kassettenhonig einstellen und wie groß das Interesse und die Nachfrage, besonders beim Delikatessenhandel, für dieses Produkt ist.

Der Preis für den Kassettenhonig hat im Augenblick Liebhaberdimensionen, Wenn nur allein die Möglichkeit der Melezitosegewinnung als Bewertungsfaktor in Betracht gezogen wird, sieht man, welchen zusätzlichen wirtschaftlichen Ertrag der Kassetteneinsatz der Imkerei bringt.

Darüber hinaus wird der Honig in der Kassette um mindestes 50 bis 60 Prozent teurer verkauft als Schleuderhonig.

Von den Kosten für die Kassettenzargen und eventuell Kassettenrähmchen abgesehen, stehen diesem hohen Mehrertrag nur die Kassetten koste n von ca. 14 Prozent des Bruttoverkaufserlöses und die einmalige Austage für die Anschaffung der Kunststoffschiede gegenüber, Es darf noch hinzugefügt werden, daß bei der Gewinnung des Kassettenhonigs kein Entdeckeln, kein Schleudern, kein Abfüllen und dergleichen mehr notwendig ist.

Nachweislich besteht in der Versorgung mit Wabenhonig in fast allen europäischen Ländern eine große Marktlücke. Die Kassettenhonigproduktion bringt für die Imkerei nicht nur neue Absatzwege, sondern auch neue und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten.